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MeißnerTanzkalender seit 2008.

Historie Dereinst im Frühjahr 2008 saßen wir im Kollegenkreis beim Frühstück, und Hannelore hatte ein Problem: „Dieter, du erzählst immer, wie schön ihr am Wochenende getanzt habt. Wir hatten jetzt Besuch und wollten mit unseren Freunden in Meißen tanzen gehen. Das geht ja gar nicht! Hier ist ja nichts los.“ Bis zum nächsten Frühstück schrieb ich ihr aus meinem Taschenkalender ab, wo sie tanzen gehen könnten nicht unbedingt direkt in Meißen, aber in der Nähe und nicht nur am nächsten Wochenende. Der Meißner Tanzkalender war geboren, denn diese zwei A4-Seiten waren auch für unsere Tanzclubmitglieder von Interesse. Aus den zehn Kopien wurden schnell 20 und 30, wir hatten ja auch sonst viele Bekannte auf dem Parkett. Das ging ins Papier, so dass ich den Kalender ab Ausgabe 03-2009 als E-Mail verschickte. In der ersten Ausgabe für den März 2008 passte noch ein ganzes Jahr auf zwei Seiten, weil ich von der Existenz vieler Tanzlokale noch gar keine Ahnung hatte. Andererseits waren einige Lokale aufgeführt, die es heute schon lange nicht mehr gibt oder die den Tanz gestrichen haben. Die letzte Spalte war nicht gerade infor¬mativ, und in grenzenloser Überheblichkeit vergab ich Sterne für das Tanzniveau der jeweiligen Veranstaltung. Schon mit 05-2008 wurden die ersten regelmäßigen Veranstaltungen (Dancing Joy mit vier Sternen) extra aufgeführt, und in die letzte Spalte kamen E-Mail-Adresse und Telefonnummer. Nach einem Jahr, bei der ersten E-Mail ließ ich dann endlich die Sterne weg. Wir konnten uns kein eigenes Bild mehr von jeder der vielen Veranstaltungen machen, hatten gemerkt, dass das Tanzniveau einer Veranstaltung von Termin zu Termin schwankte (wie unseres auch), fanden die Sterne mit der Zeit immer alberner – und ich brauchte den Platz in der Tabelle. Damals brütete ich meistens noch allein mit Papier und E-Mail über den fremden Internetseiten. Als mir auch die E-Mails samt Adressenpflege über den Kopf wuchsen, kam unserem Freund Thomas die Idee, den Kalender ins Internet zu stellen. Thomas gestaltet als eines seiner Hobbies Internetseiten, und so teilen wir uns die monatliche Arbeit mit dem Tanzkalender seit nunmehr über 10 Jahren. Dabei haben wir ihn immer weiter entwickelt. So haben wir die Tango-Szene lange Jahre extra aufgeführt. Später haben wir den Tango aus Platz- und Zeitgründen fast ganz weggelassen, denn es gibt dafür eine gute Dresdner Seite von Thomas Jordan. Und ehrlich gesagt konnten meine Partnerin und ich keine emotionale Beziehung zum Tango Argentino aufbauen. (Schade, ein schöner Tanz) Auch die vielen „Tanz“ver¬anstaltungen, bei denen neben wenig Discofox nur rhythmisch herumgestanden wird, fielen dem Rotstift zum Opfer. Dort waren wir Fremdkörper sobald wir nur ein paar Tanzschritte wagten. Dass wir keine der unzähligen Faschings- oder Silvesterveranstaltungen aufführen, war nach wenigen Ausgaben klar. So viel Platz und Zeit hat niemand. Interessant war in der ersten Zeit auch, dass einige Veranstalter versuchten, den Tanzkalender zu nutzen, um ihrem Wettbewerb zu schaden: „Sie stellen uns zusammen mit XY dar. Wissen Sie überhaupt, dass der …! Mit dem wollen wir nicht in einer Tabelle stehen!“, „Kein Problem, nehmen wir Sie raus.“, „Nnenein, so war das nicht gemeint!“ Nach ein, zwei Jahren hatte sich offenbar herumgesprochen, dass der Tanzkalender kein Wettbewerbsinstrument ist. Wir schreiben grundsätzlich nichts Negatives wenn es nicht ein gar zu dicker Hund ist. In der Regel schreiben wir statt einer Kritik gar nichts, nicht einmal mehr das Lokal. Manchmal auch nur für eine Weile. Viele Lokale sind auch geschlossen wie der Obstgarten oder wurden weggespült wie zweimal der Akti. Eine Tanzschule wollte wieder raus aus dem Kalender, weil die Tanzabende einfach überrannt wurden. Eine haben wir herausgenommen, weil wir trotz freier Plätze des Tanzabends als Fremdlinge abgewiesen worden waren. Ecki in Döbeln empfing uns einmal mit gespielter Wut: „Was habt ihr gemacht?“ Das Tanzhaus Central quoll über, selbst von Bautzen war ein Bus gekommen. Man war gerade dabei, zusätzliche Tische zusammenzuschrauben. Wir waren uns keiner Schuld bewusst, hatten nur in zwei Ausgaben das Tanzhaus gelobt. Eine Saalwand war verspiegelt wie im Dancing Joy, nur doppelt so groß. Dazu Eckis unver¬wech¬selbare Art als DJ und Tanzlehrer er ist leider schon lange nicht mehr in Döbeln und das herrliche Tanzhaus gewissermaßen auch nicht mehr. Ohne dieses oder jenes Tanzlokal geht es trotzdem weiter. Dass z.B. im für uns schönsten Tanzsaal der Umgebung, im Zentralgasthof außer dem Weihnachtsball kein Tanz mehr stattfindet, ist zwar bedauerlich, tut doch aber unserer Tanzbegeisterung keinen Abbruch. Viel schwerer war schon der Abschied von einigen unserer Freunde zu verkraften. Meine liebe Gisela machte den Anfang, Norbert folgte, dann Beate, Gisi „Er hat es nicht geschafft“, sagen wir in den Bergen, wenn einer abberufen wird absichtlich neutral, um unseren Schmerz zu verbergen. Und so sind wir unserem Hobby treu geblieben, soweit es eben ging. Auch dem Tanzkalender. Anfangs stieß ich mich noch an Sprachengoulasch, wenn Veranstalter Deutsch und Englisch zu Neudeutsch vermengten. Nicht dass ich etwas gegen Englisch hätte es gehört zu meinem Beruf. Dank dieser Sprache brauchen wir bei Auslandseinsätzen schon lange keinen Dolmetscher mehr. Aber zwei Sprachen in einem Titel manchmal war ich in Versuchung, ein paar Brocken Russisch oder Ungarisch darunter zu rühren. Heute ist mir das Wurscht. Nur bei zwei Sprachen in einem Wort wie „Midsommernacht“, wächst mir noch eine Feder, wie unser erster Tanzlehrer Matthias Kläßig sagen würde. Sowas kommt uns nicht in den Kalender. Im Archiv sehe ich, dass ich die ersten Jahre oft über die Enge auf dem Parkett gemeckert habe, über zu warme Tanzlokale und über Standard-paare, die die Außenbahn mit einem Parkplatz verwechseln und andere behindern. Heute hat sich daran nicht viel geändert, aber es juckt uns nicht mehr. Beim Eröffnungswalzer bleiben wir z.B. grundsätzlich sitzen, weil jeder meint, er müsse und könne Walzer tanzen. Gegen 23.00 Uhr sieht das dann schon viel aufgelockerter aus. Oder es kommt ein Paar entgegen der Tanzrichtung. Dann gibt es keine Schockstarre mehr wie früher, denn ein Tanzlehrer riet uns: „Es wird wehtun, aber lassen Sie sich um Himmels Willen nicht den Schwung nehmen!“ (Natürlich kommt es darauf an, wieviel die anderen wiegen. Davon hat er nichts gesagt.) Oder wenn ein Kellner bei der Frage nach der Klimaanlage nur die Schultern zuckt, dann wird die Anzugsordnung eben etwas freier und man schwitzt schließlich heißt es Tanz“sport“. So pendelten wir uns über die Jahre im Tanzkalender auf fünf bis sechs Seiten ein, blicken immer noch ein wenig ins Folgejahr und werden von Monat zu Monat aktueller. Oft setzt man sich vor den PC und ist sicher, dass sich da wenig zum Vormonat geändert hat. Doch dann fällt ein bisschen weg, kommt viel hinzu, findet man einen neuen Veranstalter (und vergisst manchmal auch einen), bekommt ein paar Hinweise und am Ende sitzt man vor einer völlig neuen Kalenderausgabe. Raus damit ins Netz! Als Nebeneffekt sind wir fast jedes Wochenende auf einem anderen Tanzsaal und kennen viele Speisekarten. Ja, wenn die Neugier nicht wär … Manchmal (selten) werden wir gefragt, warum wir das denn tun, warum wir Monat für Monat diesen Aufwand betreiben. Nein, ein Geschäftsmodell ist das nicht, materiell springt dabei nichts raus. Nicht mal eine Freikarte irgendwo. Es ist allein der Spaß oder die Neugier oder der Spaß an der Neugier. Oder die Hoffnung, anderen Spaß zu bereiten. Erst einmal ist es interessant, was sich so in der Szene tut. Und wenn wir dann am Tisch unsere Adresse übergeben: „Besuchen Sie uns mal im Internet!“ und es kommt zurück „Ach Sie sind das? Nutzen wir doch schon lange!“, dann haben sich die halben Nachtschichten gelohnt. Wenn übrigens jemand am Spaß an der Neugier teilhaben möchte, kann er/sie sich gern melden. Wir werden nicht jünger. Einzige Voraus¬setzung ist aktive Tanzbegeisterung. Mit dem Gruß unserer ersten, leider nicht mehr bestehenden Tanzschule „Viele Grüße an die Füße!“ Euer Thomas aus dem Maschinenraum und Euer Dieter aus der Navigation
MeißnerTanzkalender
Standard - Latin - Discofox - Tango Argentino
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